Das Ökosystem von Einrichtungen der Gesundheits‑ und Sozialwirtschaft und der Kirche verändert sich stark. Der Bedarf an Pflege, medizinischer Versorgung, Bildung und sozialer Unterstützung wächst kontinuierlich, während Einrichtungen und Träger mit Kostensteigerungen, Personalmangel und einem erheblichen Investitionsbedarf, etwa für Klimafitness oder Barrierefreiheit ihrer Immobilien, ringen.
An dieser Realität werden Gesundheits- und Sozialwirtschaft ebenso wie kirchliche Strukturen wachsen müssen. Vor allem in Qualität, Resilienz und Kapazität ihrer Angebote. Diese Herausforderungen eröffnen aber auch eine Chance für eine Wirtschaft, die Nachhaltigkeit und sozialen Zusammenhalt mit ökonomischer Tragfähigkeit verbindet und damit die Grundlage für tragfähige Geschäftsmodelle, Innovationen und langfristige wirtschaftliche Stabilität schafft.
Die Transformationsforscherin Prof. Maja Göpel, die beim LebensWert-Treff 2025 ihre Expertise mit den Teilnehmenden teilte, weist darauf hin, dass nicht der Wandel das größte Risiko ist, sondern das Festhalten am Status quo. Das kostet schon heute Vertrauen, Wohlstand und Stabilität. Für die Gesundheits‑ und Sozialwirtschaft ebenso wie für kirchliche Einrichtungen bedeutet das, ihre Angebote, Strukturen und Finanzierungen konsequent in Richtung Zukunftsfähigkeit auszurichten, statt knappe Mittel nur für das Bestehende zu verwenden.
Die Finanzwirtschaft hat großen Einfluss darauf, wohin sich die Wirtschaft und die Gesellschaft entwickeln. Die Evangelische Bank nutzt diesen Hebel. Gemeinsam mit ihren Kund:innen lenkt sie Kapital in Vorhaben, die Ressourcen schonen, CO₂‑Emissionen senken und den sozialen Zusammenhalt stärken, als Beitrag zu einer nachhaltig lebenswerten Gesellschaft.
Die Gesundheits- und Sozialwirtschaft hat in Deutschland ein hohes Gewicht mit Blick auf Wertschöpfung und Beschäftigung (Quelle: Bundesgesundheitsministerium). Vielen Einrichtungen fehlen aber die Mittel für notwendige Modernisierungsschritte. Die Potenziale liegen vor allem dort, wo eine soziale Infrastruktur gestärkt und weiterentwickelt wird – etwa durch integrierte Versorgungsmodelle, Zentrenbildung, tagesstationäre Angebote, zusätzliche Kapazitäten in der Demenz- und Intensivpflege, betreutes Wohnen oder in der Kurzzeit‑ und Übergangspflege. Auch Prozessinnovationen und Digitalisierung eröffnen erhebliche Spielräume, um Qualität, Effizienz und Zugänglichkeit der Versorgung zu verbessern.
Wachstum um jeden Preis führt aber in eine Sackgasse. Entscheidend ist ein wirtschaftliches Modell, das drei Faktoren in eine logische Beziehung zueinander stellt:
Regeln und Anreize können helfen, diese Ziele zu erreichen. Sie bestimmen darüber, ob kurzfristige Renditen oder langfristige Resilienz belohnt werden.
In der Logik von Maja Göpel geht es nicht um „Staat gegen Markt“, sondern darum, Märkte so zu gestalten, dass sie auf gesamtgesellschaftliche Ziele einzahlen, etwa durch klare Regeln, faire Steuern und eine ehrliche Bepreisung von Umwelt- und Sozialkosten. Sustainable Finance wird zu einem Instrument, das Kapital in produktives Vermögen lenken soll: in Infrastruktur, Pflege, Bildung und energieeffiziente und an den Klimawandel angepasste Gebäude statt in bloße Asset-Inflation (steigende Vermögenswerte ohne reale Produktivität) und Wertabschöpfung ohne realen gesellschaftlichen Nutzen.
Vor diesem Hintergrund ist Sustainable Finance Teil eines Reifeprozesses der Finanzwirtschaft und steht erst am Anfang seiner eigentlichen Wirkung. Nicht kurzfristige Trends, sondern reale Herausforderungen wie Klimarisiken, Ressourcenknappheit und sozialer Investitionsdruck befeuern die Notwendigkeit nachhaltiger Investments.
Für die Evangelische Bank ist Sustainable Finance ein Leitprinzip der Geschäfts- und Kreditpolitik. Kapitalströme werden so gesteuert, dass sie vorrangig in Vorhaben mit klarer ökologischer und sozialer Wirkung fließen. ESG-Kriterien fließen systematisch in Kredit- und Anlageentscheidungen ein und geben Kund:innen eine belastbare Grundlage, um ihre eigenen Investitionen wirksam und wirtschaftlich tragfähig zu gestalten.
Indem die Evangelische Bank Finanzmittel gezielt in Projekte mit ökologischer und sozialer Wirkung lenkt, wird sie zur Partnerin einer Gesundheits- und Sozialwirtschaft, die durch eine zukunftsfähige Ausrichtung als Vorbild dienen kann. Wesentliche Hebel zur verbesserten Tragfähigkeit von Gesundheits- und Sozialeinrichtungen sind:
Viele Einrichtungen verfügen über tragfähige operative Geschäftsmodelle, leiden aber unter Liquiditätsengpässen und gebundenem Kapital. Die Evangelische Bank baut Brücken zwischen den finanziellen Anforderungen der Einrichtungen und den Rahmenbedingungen von Förder- und Kapitalmarkt: Durch die intelligente Kombination von Eigenkapital, Fördergeldern und langfristigen Bankkrediten entstehen Modelle, die aktuelle Investitionsbedarfe decken und zugleich Raum für den Ausbau der Angebote schaffen.
Durch langfristige, planbare Finanzierungsmodelle unterstützt die Evangelische Bank Investitionen in Gebäude und Energieeffizienz so, dass regionale Versorgungsangebote verlässlich bestehen bleiben und ausgebaut werden können, etwa Pflege‑, Gesundheits‑, Bildungs- oder soziale Unterstützungsleistungen. So werden Klimaschutz, Versorgungsqualität und Wirtschaftlichkeit gemeinsam gedacht.
Klug strukturierte Investitionen in Modernisierung, Digitalisierung und erneuerbare Energien werden zu Treibern für Standortsicherung, Beschäftigung und Kosteneffizienz. Eine energetisch modernisierte Klinik kann langfristig zu niedrigeren Betriebs‑ und Energiekosten beitragen und zugleich die Lebensqualität von Patient:innen, Bewohner:innen und Mitarbeitenden vor Ort verbessern.
ESG-Bewertungen, Emissionsscorings und 1,5-Grad-Pfad-Analysen ermöglichen es Kund:innen, ihre Transformationsschritte zu verstehen, zu priorisieren und mit ihren Finanzierungsentscheidungen zu verknüpfen. Das EB-Immo-Scoring beispielsweise unterstützt Kirchen, Gesundheits- und Sozialeinrichtungen dabei, ihre oft gewachsenen Immobilienbestände strategisch zu steuern, indem es eine kennzahlenbasierte Gesamtsicht auf Gebäude, Kosten und Risiken schafft. So können Investitionen priorisiert, Szenarien simuliert und langfristige Maßnahmenpläne entwickelt werden – auf Basis belastbarer Daten.
Bestandskreditgeschäft 2025, Volumen 12/2025 in Mio. Euro, gerundet
Die EB‑SIM, der Asset-Manager der Evangelischen Bank, unterstützte auch 2025 gezielt nachhaltige Projekte und treibt den Ausbau erneuerbarer Energien weiter voran. Dazu gehören insbesondere Investitionen in Real Assets, die Energiewende, soziale Infrastruktur und die Stärkung resilienter Versorgungsstrukturen.
Die Evangelische Bank hat im Jahr 2025 insgesamt 331,33 Millionen Euro an neuen Krediten zugesagt, davon 301,64 Millionen Euro im institutionellen Kundengeschäft. Dieses Volumen floss überwiegend in Bereiche, in denen gesellschaftliche Bedarfe und ökonomische Chancen zusammenfallen. Insbesondere in die Gesundheits- und Sozialwirtschaft, einschließlich diakonischer Träger und Bildungseinrichtungen, sowie in kirchliche Arbeit und nachhaltige Wohnwirtschaft. Kapital wird dorthin gelenkt, wo reale Bedarfe bestehen und Investitionen unmittelbar gesellschaftliche Wirkung erzielen und diese Wirkung mit soliden, langfristig tragfähigen Strukturen verbinden.
Bei jeder Neufinanzierung im institutionellen Segment berücksichtigt die Evangelische Bank neben den klassischen Finanzkennzahlen systematisch Umwelt‑, Sozial- und Governance-Aspekte. Auf Unternehmensebene wird ein ESG‑Risiko‑Score ermittelt, der Klimarisiken, Governance-Strukturen und soziale Faktoren einbezieht.
Rahmen aus Regeln, Prozessen und Strukturen, mit dem Unternehmen geführt und überwacht werden, einschließlich Verantwortlichkeiten und Kontrollmechanismen.
Um wachsende Finanzierungsbedarfe dauerhaft zu decken, nutzt die Evangelische Bank auch die Potenziale des Kapitalmarkts. Als Pfandbriefbank emittiert sie Hypothekenpfandbriefe, deren Mittel gezielt in sozial relevante Immobilienprojekte der Gesundheits- und Sozialwirtschaft sowie der Kirche fließen. Das von S&P Global Ratings vergebene „AAA“-Rating dieser Pfandbriefe stärkt das Vertrauen institutioneller Anleger und verbessert die Konditionen der Refinanzierung. Dieser Vorteil ermöglicht es der Bank, ihren Kund:innen besonders stabile Laufzeiten und wirtschaftlich attraktive Finanzierungslösungen anzubieten. Auf diese Weise verbindet die Evangelische Bank klassische kapitalmarktbasierte Refinanzierungsinstrumente mit ihren nachhaltigen und werteorientierten Finanzierungszielen.
Eine nachhaltige Finanzierung auf Ebene einzelner Einrichtungen ist notwendig, aber nicht hinreichend. Deshalb wirkt die EB‑Gruppe auch auf die Rahmenbedingungen des Finanzsystems ein:
Ziel dieses Engagements ist ein Finanzierungsumfeld, das den gesellschaftlichen Auftrag der Gesundheits- und Sozialwirtschaft mit ökonomischer Stärke verbindet.
Wie der Ökonom Jens Südekum betont, ist Wachstum kein Selbstzweck. Ohne wirtschaftliche Dynamik fehlt der finanzielle Spielraum, um sozialen Zusammenhalt, Pflege, Bildung und Infrastruktur dauerhaft zu sichern.
Die gegenwärtige Gemengelage aus schwachem Wachstum, Transformationsdruck und Unsicherheit ist anspruchsvoll, eröffnet aber ein Investitionsjahrzehnt, in dem zusätzliche Mittel gezielt in nachhaltige Wertschöpfung fließen können. Nicht als Verzichtsgeschichte, sondern als eine neue Qualität des Wirtschaftens. Aus dieser Perspektive entsteht eine Ökonomie, in der resiliente Entwicklung, wirtschaftliche Tragfähigkeit und Verantwortung zusammengehören und in der die Finanzwirtschaft – und damit auch die Evangelische Bank – sichtbare Teile der Lösung sind.
Brücken zwischen Menschen, Märkten und Meinungen
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