In den kommenden Jahren entscheidet sich, ob es einer modernen Gesellschaft gelingt, aus der Gleichzeitigkeit von demografischem Wandel, Migration, Klimakrise und technologischer Disruption eine neue Kultur des gesellschaftlichen Zusammenhalts zu entwickeln. Oder ob Polarisierungstendenzen zunehmen und die Gräben zwischen unterschiedlichen Interessengruppen vertieft werden.
In diesem Spannungsfeld ist die zentrale Frage, welche Regeln, Allianzen und Investitionen unsere Gesellschaft braucht, um auch in zehn oder 20 Jahren handlungsfähig, gerecht und resilient zu sein.
Als werteorientiertes Finanzinstitut integrieren wir ökologische, soziale und Governance‑Aspekte in unsere Entscheidungen und orientieren uns an anerkannten Nachhaltigkeitsstandards. Verantwortung, Solidarität und Gemeinwohl prägen unser Selbstverständnis. Wir denken in Generationen – nicht in Quartalen – und setzen auf eine dreidimensionale Wertschöpfung aus ökonomischer, ökologischer und sozialer Perspektive.
Prof. Dr. Norbert Lammert, Bundestagspräsident a. D., beschreibt funktionierende Demokratien als Systeme, in denen Konflikt kein Betriebsunfall, sondern Ausdruck demokratischer Vitalität ist. Gefährdet wird der Zusammenhalt erst, wenn das gemeinsame Fundament erodiert. Dieses Fundament wird derzeit stark belastet: Vertrauensverluste, Angst vor sozialem Abstieg, die Folgen von Migration für gesellschaftliche Strukturen und globale Verteilungskrisen verstärken ein Gefühl der Überforderung.
Nachhaltigkeit ist bei der Evangelischen Bank verbindlich in Strukturen übersetzt. Seit mehr als zehn Jahren ist die Evangelische Bank nach EMASplus zertifiziert und seit 2018 Unterzeichnerin des UN Global Compact. Damit verpflichten wir uns, ökologische, soziale und Governance‑Aspekte systematisch zu integrieren und unseren Beitrag zur Umsetzung der Sustainable Development Goals zu leisten.
Norbert Lammert verweist auf eine wachsende Diskrepanz zwischen dem Vertrauen in Institutionen und dem Vertrauen in konkrete Personen. Während die Politik oder die Kirche oft kritisch gesehen werden, genießen Bürgermeister:innen oder Pfarrer:innen vor Ort weiterhin hohes Vertrauen. Dieses Bild macht deutlich, dass Menschen Nähe und den damit verbundenen gesellschaftlichen Zusammenhalt schätzen. Denn demokratische Institutionen sind besonders dort legitimiert, wo der Dialog gepflegt und verantwortungsvolles sowie ergebnisorientiertes Handeln im Alltag erlebbar werden.
Eine Mehrheit der Menschen glaubt nach wie vor an den gesellschaftlichen Zusammenhalt, sofern Regeln verlässlich sind, Perspektiven eröffnet werden und gesellschaftliche Gruppen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Die kommenden Jahre werden damit zeigen, ob es gelingt, demokratische Systeme zu modernisieren, Generationengerechtigkeit neu zu verhandeln und aus Vielfalt eine Ressource für Innovation zu formen.
Perspektiven auf das Miteinander in herausfordernden Zeiten, eine Studie der Bertelsmann Stiftung
Der „Demokratiezug“ des Kulturzentrums Schlachthof Kassel bringt Menschen in Straßenbahn und Bus miteinander ins Gespräch – über das, was sie bewegt, trennt und verbindet. Geschulte ehrenamtliche Diskursbegleiter:innen schaffen so Räume für Dialog, Vielfalt und Verständigung, besonders für Menschen in benachteiligten Lebenslagen und mit Migrationsgeschichte. Das Projekt zählt mit Recht zu den Siegern des EB-Nachhaltigkeitspreises 2025.
Der demografische Wandel stellt den Sozialstaat und die Arbeitsmärkte vor diverse Herausforderungen. Eine alternde Gesellschaft braucht mehr Pflege, Gesundheitsversorgung und eine darauf zugeschnittene soziale Infrastruktur, während gleichzeitig Fachkräfte und Budgets knapper werden. Die Arbeitsmigration ist daher nicht mehr nur eine Option, sondern eine zwingende Voraussetzung, um zentrale Versorgungssysteme zu stabilisieren. Vorausgesetzt, sie wird mit klaren Regeln, realistischen Integrationspfaden und einer Willkommenskultur verbunden, die über politische Schlagworte oder Absichtserklärungen hinausgeht.
Als Evangelische Bank sehen wir unsere Aufgabe darin, Kund:innen in der Sozial- und Gesundheitswirtschaft auf ihrem Transformationspfad zu begleiten – mit Finanzierungslösungen, Beratung und Wirkungsperspektive. So werden Investitionen in Pflege, Gesundheit und soziale Infrastruktur zu Hebeln einer nachhaltig lebenswerten Gesellschaft.
Parallel verändern aber auch die Digitalisierung, die Dekarbonisierung und geopolitische Unsicherheiten die Strukturen der Wirtschaft grundlegend. Ein Fakt, von dem auch die Gesundheits- und Sozialwirtschaft betroffen ist. Geschäftsmodelle, Arbeitsplätze und ganze Wertschöpfungsketten müssen neu zugeschnitten werden. Gleichzeitig muss der Staat hohe Investitionen in Klimaschutz, Infrastruktur und Sicherheit schultern. Die Sozialausgaben in einer alternden Gesellschaft nehmen ebenso zu. Das sorgt für ein Spannungsfeld knapper Ressourcen, in dem sich entscheidet, ob die damit verbundene Transformation als Überlastung oder als Chance erlebt wird.
Der Ökonom Prof. Dr. Jens Südekum weist darauf hin, dass die aktuelle finanzpolitische Zeitenwende nur dann Wirkung entfaltet, wenn aus zusätzlichen Haushaltsmitteln tatsächlich neue Projekte, Kapazitäten und Strukturen entstehen und nicht nur bereits Geplantes anders etikettiert wird. Zugleich müsse der wirtschaftliche Neustart stärker aus eigener Kraft kommen. Ohne eine Erneuerung, so Südekum, fehlten langfristig die finanziellen Spielräume, um den Sozialstaat, die Infrastruktur und den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu sichern.
Tragfähige Lösungen sind ohne Vertrauen in die Demokratie und ihre Institutionen kaum denkbar, ebenso wenig ohne Vernetzung mit Wohlfahrtsverbänden, Kirchen, Sozialpartnern und weiteren zivilgesellschaftlichen Organisationen. Zugleich prägen gewählte Regierungen mit ihren Weichenstellungen in der Sozial‑ und Klimapolitik ebenso wie Unternehmen mit ihren Investitions‑ und Geschäftsentscheidungen maßgeblich, ob unsere Systeme in Ökonomie, Ökologie und Sozialem als gerecht wahrgenommen werden und damit die nötige Legitimation für tiefgreifende Transformationsprozesse behalten.
Für die Stabilität demokratischer Systeme ist in diesem Zusammenhang eine „Kultur der Regelakzeptanz“ zentral. Also die Bereitschaft, gemeinsam beschlossene Regeln auch dann zu respektieren, wenn sie den eigenen Interessen zuwiderlaufen. Verlässliche Verfahren, eine nachvollziehbare Regulierung und faire Beteiligungsprozesse sind die Grundsteine für eine Brücke zwischen Anforderung und Akzeptanz.
Mit einer gemeinsamen Initiative unter Federführung des Arbeitskreises Kirchlicher Investoren (AKI) unterstützt die Evangelische Bank seit 2024 die Forderung an die EU‑Kommission, einen Rahmen für soziale Investitionen zu schaffen. Ziel ist es, mehr Kapital für soziale Infrastruktur zu mobilisieren. Dazu zählen beispielsweise Ausgaben für die Gesundheits- und Sozialwirtschaft, für die Bildung und für erschwinglichen Wohnraum.
Wenn Zusammenhalt eine Regel- oder Systemfrage ist, kann der Finanzsektor Einfluss darauf nehmen, ob belastbare Brücken zwischen Gegenwartslasten und Zukunftschancen entstehen. Finanzielle Rahmenbedingungen definieren, ob die soziale Infrastruktur, die Gesundheitsversorgung und der Klimaschutz stabil weiterentwickelt werden können oder ob kurzfristige Interessen dominieren.
Zukunftsorientiertes Banking bedeutet deshalb, diesen Zielkonflikt
nicht zu verdecken, sondern offen anzusprechen:
Als Architektin der Vernetzung kann die Evangelische Bank dazu beitragen, Zielkonflikte transparenter zu machen und Lösungsprozesse zu unterstützen.
Nachhaltigkeitsstandards können hierfür einen strukturierten Orientierungsrahmen bieten. Im Zentrum stehen dabei nicht einzelne Produkte, sondern Finanzierungslogiken, die so gestaltet werden können, dass sie demokratische Stabilität, Generationengerechtigkeit und gesellschaftliche Teilhabe stärken. Wie können diese Logiken und Lösungen aussehen?
Mit dem LebensWert-Treff oder der Podcast-Reihe „Ermutigende Blickwinkel“ bestehen zwei Bühnen, die das Nachhaltigkeitsverständnis der Evangelischen Bank vermitteln. So wird Nachhaltigkeit als gemeinsamer Lern- und Gestaltungsprozess gelebt. Perspektiven werden eingebunden und Zielkonflikte offen angesprochen. Impulse aus dem Dialog fließen in Produkte, Beratungsleistungen und in die Transformationsbegleitung ein. Der Dialog ist ein Kernelement des integrierten Nachhaltigkeitsansatzes.
Ein Angebot an Antworten gab der LebensWert-Treff 2025, die
Flaggschiffveranstaltung der Evangelischen Bank, die unter dem Motto „Quo vadis, Zusammenhalt? – Brücken bauen in Zeiten von Demografie, Migration und Transformation” stand. Analysen der teilnehmenden Expert:innen machten deutlich, dass es nicht ausreicht, Herausforderungen unserer Zeit zu beklagen. Gefragt ist eine Dekade des Handelns, in der Entscheidungen heute so getroffen werden, dass sie anschlussfähig an das Übermorgen sind. Etwa, indem demografische Trends nicht nur statistisch beschrieben, sondern in konkrete Versorgungsmodelle übersetzt werden, in denen die Politik, Kommunen, Sozialträger und Finanzakteur:innen gemeinsam Verantwortung übernehmen.
Als werteorientierter Finanzpartner mit christlichen Wurzeln initiiert und unterstützt die Evangelische Bank Allianzen, in denen unterschiedliche Akteur:innen gemeinsame Leitplanken für Investitionen, soziale Sicherung und Klimaschutz definieren und so Konflikte in gestaltbare Kompromisse überführen.
Norbert Lammerts Hinweis, dass Konflikte in funktionierenden Demokratien ein Dauerzustand sind, erhält im Kontext von Desinformation und Populismus besondere Brisanz. Ohne Foren, in denen Widerspruch ausgehalten und unterschiedliches Wissen zusammengeführt wird, verlieren demokratische Systeme ihre Lernfähigkeit. Formate wie der LebensWert-Treff zeigen, wie solche Räume aussehen können, als Foren, an denen Politik, Sozialwirtschaft, Wissenschaft und Finanzwelt nicht übereinander, sondern miteinander reden. Entscheidend ist, dass aus Dialog konkrete Schritte folgen, wie zum Beispiel:
So wird Diskurs zum produktiven Arbeitsmodus einer Gesellschaft,
die sich im Wandel bewusst weiterentwickelt.
Zwischen dramatisierenden Krisenszenarien und einem unkritischen Fortschrittsoptimismus braucht es Erzählungen, die sowohl Risiken als auch Gestaltungschancen ernst nehmen. Gerade bei der Kirche und in der Gesundheits- und Sozialwirtschaft zeigt sich, dass Innovation und Menschlichkeit kein Widerspruch sind. Digitale Lösungen können Fachkräfte entlasten, energetisch optimierte Sozialimmobilien können Energiekosten senken und gleichzeitig Komfort erhöhen, neue Beteiligungsformate Betroffene zu Mitgestaltern machen.
Kirche und Diakonie verbinden dabei ethische Orientierung mit konkreter Hilfepraxis, von den Tafeln über Hospize bis hin zu globalen Partnerschaften für mehr Klimagerechtigkeit. Indem die Evangelische Bank vernetzt handelt und Akteur:innen zusammenführt, entstehen Geschichten des Gelingens.
Gemeinsam mit starken Partnern treibt die Evangelische Bank die nachhaltige Transformation des Finanzmarkts voran. Klimaschutz und gesellschaftliche Verantwortung gelingen nur im Verbund durch Austausch, gemeinsame Strategien und innovative Lösungen. In dieser Übersicht zeigen wir, mit welchen Organisationen sich die Evangelische Bank und ihre Tochter EB-SIM für eine zukunftsfähige Wirtschaft engagieren.
EUmweltSSozialesGGovernance
| Beitrittsjahr | Mitgliedschaft oder Initiativen | Kategorien |
|---|---|---|
| 2008 | AKI – Arbeitskreis Kirchlicher Investoren | E S G |
| 2009 | FNG – Forum Nachhaltige Geldanlage e. V. | E S G |
| 2012 | KirUm – Ökumenisches Netzwerk Kirchliches Umweltmanagement | E |
| 2014 | UN PRI – Principles for Responsible Investment | E S G |
| 2018 | UN Global Compact | E S G |
| 2021 | PCAF – Partnership for Carbon Accounting Financials | E |
| 2021 | BII – Bundesinitiative Impact Investing e. V. | E S |
| 2022 | VfU – Verein für Umweltmanagement und Nachhaltigkeit in Finanzinstituten e. V. | E S G |
| 2022 | BAUM e. V. – Zukunft Unternehmen | E |
| 2022 | DUCAH – Digital Urban Center for Aging and Health | S |
| 2022 | Charta der Vielfalt e. V. | S |
| 2022 | CDP – Carbon Disclosure Project | E |
| 2024 | SfC – Shareholders for Change | E S G |
Die Evangelische Bank ist Mitinitiatorin des Arbeitskreises Kirchlicher Investoren (AKI). Seit dessen Gründung engagiert sie sich aktiv für ethisch-nachhaltige Investmentleitlinien und den wertebasierten Austausch innerhalb kirchlicher Institutionen.
Brücken zwischen Nachhaltigkeit und ökonomischer Resilienz
Brücken zwischen Klimaschutz und sozialer Daseinsvorsorge
Brücken zwischen Arbeitgeberattraktivität und gesellschaftlicher Verantwortung