Wer Klimaneutralität in der Gesundheits- und Sozialwirtschaft verstehen will, kommt an einer Kennzahl nicht vorbei: Rund fünf Prozent der deutschen CO2‑Emissionen entfallen auf diesen Bereich. Hinter dieser Zahl stehen mehrere Tausend Einrichtungen dieser Branchen, in denen jedes Jahr Millionen Menschen versorgt werden.
Jede Verbesserung im Energieverbrauch, jede eingesparte Tonne CO2 wirkt damit direkt in den Alltag derer hinein, die in den Einrichtungen leben, arbeiten und betreut werden.
Energetische Modernisierungen – etwa Dämmung oder moderne Heiztechnik – können zu geringeren Energieverbräuchen und damit zu stabileren Betriebskosten beitragen. Dies kann sich auch auf die langfristige Wirtschaftlichkeit und Finanzierbarkeit auswirken und damit auch Arbeitsplätze und Versorgungsangebote sichern. Das zeigt, wie groß der Hebel dieser Branche ist, um Klimaschutz und gesellschaftliche Verantwortung miteinander zu verbinden und eine Brücke zwischen ökologischer Wirkung und sozialer Daseinsvorsorge zu schlagen.
Da ein verantwortungsvoller Umgang mit Strom und Wärme unverzichtbar ist, steigert die EB‑Gruppe kontinuierlich den Anteil erneuerbarer Energien, insbesondere durch Strom aus regenerativen Quellen. Dieses Ziel wurde in den vergangenen Jahren deutlich erreicht: An den Gebäudestandorten stammen 99,9 Prozent des Stroms und 51,1 Prozent der Wärme aus erneuerbaren Energien. Eine Photovoltaikanlage auf dem Dach der Zentrale in Kassel speiste 2025 rund 19,6 Megawattstunden grünen Strom ein.
Würden alle Menschen so leben wie die Bevölkerung in Deutschland, bräuchte es den Planeten Erde dreimal, um den Ressourcenbedarf dauerhaft zu decken. Der Earth Overshoot Day für Deutschland fiel 2025 bereits auf den 3. Mai und markierte den Zeitpunkt, an dem die natürlichen Ressourcen für das laufende Jahr rechnerisch aufgebraucht waren. Diese „3‑Erden‑Realität“ macht deutlich, wie weit der aktuelle Ressourcenverbrauch von einer nachhaltigen Nutzung entfernt ist. Vor diesem Hintergrund ist Ressourcenschonung – einschließlich der Reduktion von Treibhausgasemissionen – eine strategische Aufgabe, der sich auch die Gesundheits- und Sozialwirtschaft stellen muss.
Der Earth Overshoot Day markiert den Tag, an dem die Menschheit alle natürlichen Ressourcen verbraucht hat, die die Erde innerhalb eines Jahres regenerieren kann. Grundlage ist der ökologische Fußabdruck, also die Fläche, die benötigt wird, um unseren Konsum zu decken (Rohstoffe, Nahrung, Landnutzung etc.). Etwa 60 Prozent dieses Fußabdrucks entfallen auf CO₂‑Emissionen aus der Verbrennung fossiler Energieträger.
Die Finanzwirtschaft kann den Übergang zu einer emissionsärmeren und ressourcenbewussten Wirtschaftsweise unterstützen. Die EB‑Gruppe berücksichtigt daher die mit dem Klimawandel und seinen Folgen verbundenen Risiken und Chancen umfassend und systematisch in allen relevanten Bereichen ihrer Geschäftstätigkeit.
Mit ihren strategischen Klimaleitlinien verfolgt die EB-Gruppe
vier übergeordnete Ziele:
Die Evangelische Bank hat sich zu einer regelmäßigen Klimaberichterstattung verpflichtet. Diese erfolgt nach den Empfehlungen der Task Force on Climate-related Financial Disclosures (TCFD), um durch eine einheitliche Berichterstattung Transparenz über klimabezogene Chancen und Risiken zu schaffen, deren Inhalte ab diesem Jahr im turnusmäßigen Nachhaltigkeitsbericht nach den Standards der Global Reporting Initiative (GRI) aufgehen.
Die EB‑Gruppe richtet ihre strategischen Klimaleitlinien an den Zielen des Pariser Klimaabkommens, den UN-Nachhaltigkeitszielen (insbesondere SDG 13) sowie den europäischen und deutschen Klimazielen aus und bekennt sich ausdrücklich zum 1,5-Grad-Ziel. Bis spätestens 2050 sollen sowohl die eigenen Treibhausgasemissionen in Scope 1 bis 3 als auch die Kredit‑ und Investmentportfolios so ausgerichtet werden, dass sie mit langfristigen Klimazielen kompatibel sind, getragen vom Dreiklang „Vermeiden, Vermindern, Kompensieren“.
Internationaler Standard zur Bilanzierung von Treibhausgasemissionen in drei Scopes (direkte, eingekaufte Energie, vor- und nachgelagerte Wertschöpfungskette).
Die Treibhausgasbilanz der Evangelischen Bank folgt dem Greenhouse Gas Protocol und umfasst direkte Emissionen aus dem eigenen Betrieb (Scope 1), eingekaufte Energie wie Strom und Fernwärme (Scope 2) sowie relevante indirekte Emissionen der Wertschöpfungskette, etwa aus Krediten, Kapitalanlagen, Beschaffung oder Dienstreisen (Scope 3). So wird sichtbar, wo Emissionen entstehen und wo sie gezielt vermieden oder vermindert werden können.
Der EB‑Nachhaltigkeitsfilter integriert klimabezogene Kriterien in Kreditportfolio, Eigenanlagen und Publikumsfonds. So werden gezielt Investitionen unterstützt, die sich an den Zielen des Pariser Klimaabkommens orientieren und zugleich klimabezogene Risiken und Chancen in der Kapitalanlage systematisch berücksichtigen.
Klimarisiken, also physische Risiken durch Extremwetterereignisse und transitorische Risiken aus Regulierung oder Marktveränderungen, werden umfassend im Risikomanagement berücksichtigt. Energetische Modernisierungen werden so zu einem Hebel, der Risikoreduktion, ökologische Wirkung und die langfristige Finanzierbarkeit sozialer Infrastruktur miteinander verbindet, unterstützt durch konkrete Steuerungsinstrumente.
Die Erderwärmung gehört zu den größten Bedrohungen unserer Zeit, weshalb die Begrenzung von Treibhausgasemissionen ein zentrales Instrument im Kampf gegen den Klimawandel ist. Vor diesem Hintergrund hat die Evangelische Bank eine umfassende Treibhausgasbilanz auf Basis des Greenhouse Gas Protocol und des PCAF‑Standards erstellt, die Emissionen in Scope-1-, Scope-2- und relevanten Scope‑3‑Kategorien abbildet.
Kund:innen, die größere Immobilienbestände verwalten, steht das EB-Immo-Scoring zur Verfügung. Es zeigt, wie weit Immobilien vom 1,5‑Grad‑Pfad entfernt sind und welche jährliche CO2‑Reduktion nötig ist, um regulatorische Vorgaben und interne Klimaziele zu erreichen. Einrichtungen können damit Investitionen nicht nur energetisch, sondern auch bilanziell und refinanzierungsseitig nachvollziehbar darlegen. Das ist ein wichtiger Baustein, um eigene Klimastrategien zu untermauern.
Bei der energetischen Sanierung von Immobilien der Gesundheits- und Sozialwirtschaft treffen mehrere Größen aufeinander: Tonnen CO2, Kilowattstunden Energie sowie Betriebs- und Investitionsbudgets. Werden veraltete Heizsysteme ausgetauscht, Dächer gedämmt oder Solaranlagen installiert, sinken die Emissionen und die Energiekosten. Oft mit klar messbaren Effekten in Bezug auf den Lebenszyklus eines Gebäudes.
Die betriebswirtschaftliche Notwendigkeit besteht damit bereits heute, auch ohne ideale Förder- und Refinanzierungsbedingungen. Bleiben diese Investitionen aus, werden Emissionen nicht nur nicht reduziert, sie können aufgrund veralteter Heiztechnik und ineffizienter Gebäudehüllen sogar weiter ansteigen. Zugleich führt ein anhaltender Sanierungsstau zu einer Wertminderung der Immobilien. In der Folge verlieren Gebäude schrittweise an Kreditwürdigkeit als Sicherheit, wodurch Finanzierungen erschwert oder unmöglich werden. Klimaschutz ist damit längst auch eine Frage von Bilanzqualität (Solidität und Belastbarkeit der Finanzlage) und Risikosteuerung (Risiken erkennen, bewerten und aktiv begrenzen) der Einrichtungen.
Wirtschaftlich sinnvolle Projekte stoßen in der Praxis häufig an Grenzen der bestehenden Refinanzierungsmechanismen. Kostenträger können Investitionen in Wärmedämmung, moderne Heiztechnik oder Photovoltaik bislang als „nicht wirtschaftlich“ oder „nicht betriebsnotwendig“ ablehnen. Nachhaltigkeitsprojekte werden dadurch oft zurückgestellt, obwohl sie mittel- und langfristig Kosteneffekte, Effizienzgewinne und gesellschaftliche Vorteile ermöglichen können.
Gemeinsam mit der Diakonie Deutschland setzt sich die Evangelische Bank daher für eine Reform dieser Rahmenbedingungen ein. Im Zentrum stehen:
Werden derlei Projekte refinanzierbar ausgestaltet, verwandeln sich Klimakennzahlen direkt in stabilere Betriebskosten und verlässliche Budgets.
Extreme Wetterereignisse wie Hitzewellen, Stürme oder Starkregen treffen vulnerable Gruppen besonders stark und stellen Einrichtungen der Sozial- und Gesundheitswirtschaft vor neue Herausforderungen. Präventive Klimaanpassungsmaßnahmen werden damit zu einem wesentlichen Bestandteil von Gesundheits- und Bevölkerungsschutz.
Klimaanpassung lässt sich zudem in Kennzahlen fassen: Anzahl der Hitzetage, Innenraumtemperaturen, Zahl verschatteter Räume oder die Quadratmeter begrünter Flächen. In Einrichtungen, in denen besonders schutzbedürftige Menschen leben, entscheiden diese Werte darüber, wie gut sie mit Hitze und anderen Extremen zurechtkommen. Weniger Hitze, bessere Luftqualität und stabile Temperaturen schützen Bewohner: innen und Mitarbeitende gesundheitlich und entlasten Menschen in der Pflege und in der Betreuung.
Die von der Evangelischen Bank unterstützte Klimaanpassungsbeauftragte der Diakonie Deutschland, Katharina Gräfe, arbeitet mit Risikoanalysen, Befragungen und Schulungsangeboten, um Träger bei der Entwicklung maßgeschneiderter Anpassungskonzepte zu unterstützen. Daraus entstehen klar definierte Maßnahmenpakete wie Temperaturgrenzen und Lüftungszeiten, Trinkangebote und bauliche Veränderungen wie Verschattung, deren Wirkungen sich im Nachgang wieder messen lassen. Einrichtungen wie die Diakonie Himmelsthür berücksichtigen Klimaanpassung bereits bei Neubauten, etwa durch Dachbegrünung, Wasserzisternen und eine angepasste Fensterplanung.
Die Kombination aus einem großen Emissionsanteil, hoher gesellschaftlicher Relevanz und langfristig genutzten Gebäuden macht die Gesundheits- und Sozialwirtschaft zu einem idealen Feld für Investitionen mit messbarer Wirkung. Wenn man versucht, die Zukunftsfähigkeit der Gesundheits- und Sozialwirtschaft zu bewerten, wird das immense Potenzial deutlich: fünf Prozent Emissionen, Zehntausende Gebäude und Millionen betreuter Menschen sowie eine wachsende Zahl an Projekten, in denen CO2‑Reduktion, Energieeffizienz, Klimaanpassung und soziale Qualität zusammenkommen.
Die Evangelische Bank verbindet diese Entwicklung mit ihren Klimaleitsätzen, konkreten Tools und dem Anspruch, ein verlässlicher Partner ihrer Kund:innen auf dem Weg zur Klimaneutralität zu sein, unterstützt durch passende Finanzierung, Beratung und Steuerungswerkzeuge.
Damit entsteht Klimaschutz, der mit Zahlen beginnt und bei ganz konkreten Werten vor Ort ankommt.
Brücken zwischen Menschen, Märkten und Meinungen
Brücken zwischen Nachhaltigkeit und ökonomischer Resilienz
Brücken zwischen Arbeitgeberattraktivität und gesellschaftlicher Verantwortung